Persönliche Entwicklung: Andere beobachten
Mittwoch, September 24th, 2008Das Thema "personal development" oder auch "personal growth" ist etwas, dass uns wie ein Hype verfolgt. Getrieben durch omnipräsenten Vorreiter "Amerika" werden unzählige Bücher veröffentlicht, Seminare zu allen möglichen Themen angeboten, um die Menschen "weiter zu entwickeln". Darunter fallen solche Dinge wie
- Zeitmanagement (time management)
- Ziele setzen und erreichen (goal setting)
- emotionale Intelligenz oder auch Einfühlungsvermögen (emotional intelligence)
- ….
Die Lüge des Patentrezept’s
Angeblich gibt es die Methodik schlechthin für jedes dieser Gebiete und wenn man diese Methodik anwendet, funktioniert der Rest quasi "von alleine". Das das ziemlich einfach gedacht ist, dürfte jedem klar sein. Schließlich gibt es nicht DAS Patentrezept für jeden Menschen - was für den einen vielleicht wunderbar funktioniert, klappt bei dem anderen überhaupt nicht. Aber das ist auch gut so, denn jeder Mensch ist individuell verschieden und funktioniert nach anderen Prinzipien.
Es gibt kein Patentrezept für individuelle Probleme. Alles im Bereich der persönlichen Entwicklung funktioniert nur sehr individuell.
Die angebotenen Möglichkeiten sollte man sich anschauen, aber was funktioniert, sagt einem nicht die Methode, sondern die Resultate, wenn man eine Methode ausprobiert.
Und falls eine Methode nicht passt: Abändern bzw. austauschen - findet etwas, dass für euch funktioniert!
Eine relativ einfache Möglichkeit, diesen ganzen Seminar- und Buchzauber zu "unterwandern" ist aber das naheliegende zu versuchen: Beobachtung! Dabei geht es nicht darum, willkürlich seine Umwelt zu betrachten und zu schauen, wie diese funktioniert, sondern diejenigen Personen zu beobachten, die etwas besser machen, als man selbst!
Beobachten und daraus Lernen ist universell - auch für die persönliche Entwicklung
Die Evolution ist ein kontinuierlicher Prozess der zwar auch viel mit ausprobieren zu tun hat (Gen-Mutation lässt grüßen), aber eine Entwicklung in der Breite funktioniert am besten durch Imitation - Nachahmung. Jeder weiß, in welchen Bereichen er sich verbessern kann, wenn man eine Woche einmal rückblickend Revue passieren lässt und sich die Frage stellt: Was hätte besser funktionieren können? Hier geht es darum, Problemfelder zu identifizieren:
- chaotische Termine
- unstrukturiertes, "sprunghaftes" Arbeiten (vom einen Problem zum Anderen und wieder zurück)
- Zerstreutheit
- …
Da wird sich vermutlich jeder wiederfinden. Sobald wir diese Punkte kennen, können wir sie angehen - vorher nicht! Wenn man jetzt über ein einzelnes Problemfeld nachdenkt - wirklich nur eines! - dann fallen einem in aller Regel sofort Personen ein, die es besser machen, als man selbst:
Kollege XY ist da viel besser - der bekommt das einfach hin.
Hier klappt etwas überhaupt nicht, hätte das XZ gemacht, wäre das schon durch
Falls einem niemand solches einfällt - denkt einfach mal etwas stärker "out-of-the-box"! Welche Person in eurer Umgebung kommt mit euren Problembereichen besser klar, als ihr selber? Ich bin mir sicher, dass sich da jemand finden lässt!
Wenn ihr eine solche Person identifiziert habt:: beobachtet! Wie arbeitet derjenige/diejenige, wie agiert er/sie. Nimmt er Arbeiten an oder wiegelt er ab, sagt er zu, bereitet er sich auf Besprechungen vor, kritisiert er sehr schnell oder nicht?
Andere Menschen, die man als "Vorbilder" betrachtet, zu beobachten, ist der einfachste und effektivste Weg, Vorschläge und Ideen für persönliche Verbesserungen zu bekommen!
Sobald ihr ein Gefühl dafür gewonnen habt, wie euer Vorbild agiert, überlegt euch, wie ihr dieses Verhalten, was ja offenbar funktioniert, adaptieren könnt. Es geht nicht darum, das Verhalten 1:1 zu übernehmen und damit, quasi, die Person zu kopieren! Ziel dieses Schrittes ist es zu entscheiden, wie ihr die Vorzüge des Verhaltens in euer eigenes Leben integrieren könnt. Was bedeutet das praktisch:
Wenn ihr neuen Aufgaben immer sehr schnell zustimmt (einfach weil ihr sie erfüllen möchtet, oder aber weil ihr euch bedrängt fühlt), euer Vorbild jedoch sehr zurückhaltend ist - übernehmt das Verhalten. Kommt jemand auf euch zu und möchte, dass ihr eine Aufgabe erledigt: vertröstet ihn auf später. Behaltet euch die Antwort vor und denkt erst in Ruhe darüber nach. Prüft euren Kalender, ob ihr überhaupt Zeit dafür habt und erklärt dies auch offen - nichts ist schlimmer, als Erwartungen, die ihr durch Zusagen schürt, zu enttäuschen.
Es gibt hunderte Beispiele, die ich hier gar nicht alle aufführen möchte (bei konkreten Fragen: schreibt eine Mail oder hängt einen Kommentar an!), aber versucht aus dem Verhalten anderer Muster abzuleiten. Diese Muster können unterschiedlich umgesetzt werden und ihr müsst den Weg finden, der für Euch am besten funktioniert!
Der stete Tropfen höhlt den Stein
Eine Sache, die bei alle dem sehr sehr wichtig ist und meist vergessen wird: Nehmt euch nicht zuviel vor! Fangt klein an und steigert euch. Es gibt mit Sicherheit eine Unmenge an Dingen, die ihr an euch verbessern wollt - verzettelt euch dabei nicht. Macht eine Liste (oder Mind-Map, oder was auch immer), in der ihr all die Punkte aufnehmt, die auch an euch stören und die andere besser machen. Und dann fangt an einem Punkt an und versucht, für diesen eine Verbesserung herbeizuführen.
Eine Verbesserung muss nicht sofort die Lösung aller Probleme darstellen, sondern ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.
Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, der aber tatsächlich gemacht und nicht nur versprochen wird, ist mehr Wert, als 100 Versprechungen, die nicht gehalten werden (können).
Auf diese Weise kann man sich iterativ, also in stetigen Wiederholungen und Verbesserungen, langsam an des Übels’ Wurzel heran arbeiten.
Literatur - weiterführend oder weitführend?
Ich möchte an dieser Stelle natürlich nicht all die Seminar und Bücher verteufeln, die es gibt! Diese sind nützlich und sinnvoll für neue Ideen und Anregungen oder auch den Austausch mit anderen. Es sind aber nicht die Allheilmittel und sicherlich in vielen Belangen auch unbrauchbar. Bücher sind gut, um Anregungen zu bekommen oder zu sehen (und zu er-lesen), wie andere Menschen mit Problemen umgehen. Schlussendlich werden aber auch dort nur Beispiele und Möglichkeiten aufgezeigt. Vieles davon wird in dieser Form nicht umsetzbar sein, einfach weil das individuelle Umfeld ein anderes ist. Dies gilt es zu erkennen und entsprechend zu bewerten. Folgende Bücher kann ich allerdings empfehlen, weil ich sie persönlich sehr gut finde und sehr viele Ideen darin gut umsetzbar sind:
| Autor | Titel | Amazon Link |
| David Allen | Wie ich die Dinge geregelt kriege: Selbstmanagement für den Alltag | Anschauen bei Amazon |
| Stephen Covey | Die 7 Wege zur Effektivität: Prinzipien für den persönlichen und beruflichen Erfolg | Anschauen bei Amazon |
Wie in jedem Bereich gibt es auch hier eine Myriade von Büchern, die alle möglichen Dinge beleuchten. Die wirklich guten Bücher zeichnen sich allerdings dadurch aus, dass dort Prinzipien vermittelt werden. Konzepte, die immer wieder funktionieren, einfach weil Sie universell sind. Bücher, deren Inhalt sich an einem Hype orientiert, sind überflüssig. Dort werden Ratschläge mitgegeben und aufgeführt, die nur eine kurze Halbwertszeit haben.
Bücher die universelle Prinzipien und immerwährende Konzepte und Strategien vermitteln, sind eine Investition in die persönliche Entwicklung.